Vorwort von Claus Leggewie

Das Buch, das Sie in Händen halten, präsentiert eine konkrete Utopie. Es ist utopisch, weil man vieles darin für nicht machbar und die gegenwärtige Realität für alternativlos halten mag. Und es ist konkret, weil nichts davon unmöglich und hier und da einiges davon längst Wirklichkeit geworden ist. Sich Wenningen 2025 vorzustellen, entspricht genau der Vorstellung, die Harald Welzer und ich mit „Futur zwei“ verbunden haben:

Gegenwärtige Handlungen, Optionen und vermeintliche Unmöglichkeiten im Lichte dessen zu betrachten, wie man agiert haben müsste, um einen wünschenswerten (und von den meisten auch unklar gewünschten!) Zustand 2025 oder 2030 erreichen zu können.

Üblicherweise sehen wir das Jahr 2025 als eine Wegmarke, bis zu der die Welt ihre Erwärmung begrenzt haben sollte, wenn sie überaus gefährliche Auswirkungen von Klimawandel vermeiden will. Also als Schließung eines Horizonts, der uns Verluste und den Verzicht auf Optionen auferlegt. In der Tat kann die Welt weder finanzwirtschaftlich noch umweltbezogen einfach so weiterwurschteln wie bisher. Die Grenzen des Erdsystems sind real. Aber im fahlen Licht einer Katastrophe fällt Handeln bekanntlich schwer. Der Transformationsansatz im Buch „Das Ende der Welt, wie wir sie kannten“ war stets so angelegt, dass wir die Notwendigkeit, auf herkömmliche Wachstumsstrategien und –ziele zu verzichten, mit der Möglichkeit verbunden haben, alternative Entwicklungspfade auszukundschaften und praktisch zu erproben.

Steffen Andreae und Matthias Grundmann haben eine literarische und zukunftsdokumentarische Form für diese vermeintliche Quadratur des Zirkels gefunden, die nicht nur Spaß an der Lektüre bereitet, sondern auch die Lust anstachelt, an eigenen Szenarien für die nächsten 13 Jahre zu arbeiten. Der Grund für diese Pragmatik liegt wohl auch in dem Kommunalismus, den einer der Autoren seit Jahren in verschiedenen Lebensgemeinschaften wahrnimmt und praktiziert. Die Kommune ist die Adresse, wo ein solches Lebensänderungsprogramm politisch verankert ist – im „dritten Sektor“ jenseits  einer durchgedrehten UnLogik „der Märkte“ und der UnFähigkeit überforderter
Staatsapparate. Dort steht der Schutz von Kollektiv und Allmendegütern im Einklang mit einem Mehr an subjektiver Lebenszufriedenheit oder wie man auch sagen könnte: mit dem glücklich Sein.

Lesen Sie, und dann machen Sie was draus!