Das neue Buch von
Steffen Andreae und
Matthias Grundmann

Wie begegnen wir Klimawandel, Umweltzerstörung, Radikalkapitalismus, zwischenmenschlicher Sprach- und Teilnahmslosigkeit, wie der politischen Entmündigung? Wie wollen wir heute und in einer Zukunft verschwindender Ressourcen und zunehmender Kriegsgefahren leben und uns organisieren? Wenn alles zusammenbricht, muß dann Mensch gegen Mensch kämpfen; kann nur überleben, wer sich gegen andere durchsetzt? Brauchen wir gar eine ökologische Diktatur, um den Zusammenbruch ganzer Zivilisationen aufzuhalten? Oder vielleicht weitere „Krisenmanager“, die uns zu gerne die Entscheidungen abnehmen würden- zu unser aller Wohl, versteht sich… Kein Ausweg aus dem Karussell?

Oder könnte es auch anders gehen? Gemeinsam?  Solidarisch? Selbstorganisiert? Verantwortungsbewußt? Ohne Wachstum? Ohne Aufstiegskampf? Mit Tauschhandel, gemeinsamem Wirtschaften, politischer Partizipation?

In vielen Kommune- und Lebensprojekten ist das bereits Alltag. Aber läßt der sich auch auf größere Einheiten, etwa auf Dörfer und Städte übertragen? Ja! antworten die Autoren, die seit vielen Jahren in Kommunen leben und sich mit der Transition-Town-Bewegung beschäftigen. Das geht! Aber wie will man alle Bewohner, etwa einer Kleinstadt, dazu bringen, solidarisch zu handeln, soll man sie zu ihrem Glück zwingen?
Die Autoren ersinnen in Wenningen 2025 ein Modellprojekt, bei dem jeder Bürger Anspruch auf ein bedingungsloses Grundeinkommen hat, sodaß es ihm freigestellt ist, weiterhin seiner bisherigen Arbeit nachzugehen, sich eine andere zu suchen, etwas für die Gemeinde oder auch- gar nichts zu tun. In vielen Kommuneprojekten gibt es Menschen, die traditionell Geld verdienen und andere, die kein „reales“ Einkommen haben und keine feste Anstellung, sondern sich stattdessen der Kunst widmen oder das Brot für die Kommune backen, das Kräuterbeet betreuen, die Gemeinschaftsräume renovieren oder Kunststücke, wie Jonglage, vorführen. Daß jemand „gar nichts“ tut, kommt sehr selten vor; aber dann ist dieser Mensch vielleicht sozial besonders sensibel und für die anderen wichtig, wenn sie sich mitteilen wollen oder Rat suchen, zum Beispiel bei Konflikten. Die Erkenntnis, daß niemand unnütz ist, kann vielleicht erst dann entstehen, wenn der Mensch nicht länger als ökonomischer Faktor und bloßer Erfolgsproduzent betrachtet wird, sondern als Teil einer lebendigen Gemeinschaft. Ein Grundeinkommen, davon sind die Autoren überzeugt, kann Entwicklungen anstoßen, die der Gemeinschaft viel geben, ohne dem Einzelnen etwas zu nehmen. Der Mensch soll befähigt werden, sich zu entwickeln, sich einzubringen und zu beteiligen.

In der konkreten Utopie Wenningen 2025 gibt es ein bedingungsloses Grundeinkommen. Nach und nach entwickeln sich neue zwischenmenschliche Bindungen und Kooperationen, gemeinsames Handeln wird Teil des Alltags, ob in der Handwerkernachbarschaft oder bei Projekten, es entstehen Tauschbörsen und selbstverwaltete Kleinbetriebe, die Menschen verbrauchen weniger und andere Güter, die Hierarchien zwischen „einfachen Bürgern“ und Staatsbediensteten beginnen, sich aufzulösen, soziale Grenzen werden überschritten, Alt und Jung kommen in „3-Generationen-Gesprächen“ zusammen, selbstverwaltete Kulturkneipen von Kommunarden werden zu Begegnungsstätten aller Wenninger Bürger und allmählich weckt die Gemeinde, die sich so „seltsam anders“ verhält, das Interesse der Menschen aus den umliegenden Gemeinden…

Auf 160 Seiten folgt der Leser dem Widerstand gegen einen energiehungrigen und menschenverachtenden Kapitalismus und dem allmählichen Aufbau einer alternativen Gemeinschaftsform aus dem Blickwinkel verschiedener Wenninger Bürger. Und vielleicht setzt der eine oder andere manch eine Idee aus dem Buch ja auch direkt bei sich zuhause, in seinem Dorf, seinem Stadtteil oder seinem Freundeskreis um!